Diät

persönliche Meinung


Sommergemüse-Salat Bresso - 304 Kcal
 
Hallo liebe Kochfreunde,

Ich werde immer wieder von Freundinnen gefragt, wie ich meine große Leidenschaften "Kochen und Essen" mit meinem Gewicht vereinbaren kann. Da ich garantiert nicht unter irgendwelchen Eßstörungen leide, aber dennoch mein Idealgewicht von 66 Kg (+- 1-2 kg) seit ca. 12 Jahren halte, glaube ich, daß meine kalorienbewußte Ernährung der richtige Weg ist. Ich vermeide ganz bewußt den Begriff "Diät", da ich davon absolut nichts halte. Ich habe soviel Negatives über Diäten gehört, daß ich selber nie eine ausprobiert habe. Trotzdem kann man durch eine Ernährungsumstellung auch erfolgreich abnehmen. Wie das geht, könnt Ihr in meiner Kurzanleitung zum Abnehmen lesen.

Den Anstoß dazu, unsere Ernährung langfristig umzustellen, gab eigentlich mein Mann. Er hatte bei dem Versuch, sich das Rauchen abzugewöhnen fast 20 Kg zugelegt und war sehr unglücklich darüber. Nun habe ich schon immer gerne gekocht und ihn auch gerne mit Leckereien verwöhnt. Wenn man nun in der nervenaufreibenden Zeit des Nichtrauchens und des Übergewichtes auch noch mit dem Thema Diät anfängt, wird der Frust noch größer. "Nichts darf man mehr!" Also habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich trotzdem alle seine Lieblingsgerichte zubereiten konnte, manchmal noch eine leckere Süßspeise reichen konnte und die Kalorien einfach da einzusparen, wo er es nicht merken würde. Und der Erfolg spricht für sich. Wir haben langfristig die Ernährung umgestellt und uns lange Zeit gelassen. Es ist einfacher jeden Tag 100 g abzunehmen - ein Ziel, daß jeder erreichen kann - als große Ziele zu stecken (1 Kg). Diät halten wollten wir beide nicht.

Entscheidend war, zuerst einmal Fett einzusparen. Statt der altbewährten Methode "pi mal Daumen" habe ich meine digitale Küchenwaage direkt neben dem Herd plaziert. Es bedarf nur einer ganz kurzen Eingewöhnungszeit und es geht in Fleisch und Blut über, eben kurz das Bratenfett, Margarine oder Butter abzuwiegen. Dafür braucht man nur mit einem Messer das Stück Fett auf den Deckel der Margarinedose oder einen kleinen Teller geben, bevor es in die Pfanne oder den Topf wandert. Genauso habe ich Öl nicht mehr "freihändig" in die Pfanne gegossen, nach dem alten Motto "der Boden muß gut bedeckt" sein. So ein Blödsinn. In den allermeisten Fällen reicht es wirklich aus, wenn man nur 1 EL Öl verwendet. Im Zeitalter der beschichteten Bratpfannen nun wirklich kein Problem mehr.

Bei den wunderbaren Geschmacks-Abrundern wie Sahne, Creme Fraiche usw. habe ich die Mengen einfach halbiert, oder einen Teil der Sahne durch Milch ersetzt. Und siehe da, alles schmeckte noch genauso gut und mein Mann hat nicht genörgelt...

Dann hat mein Mann mir meine "heilige Bibel" geschenkt. Ein Buch, in dem ich sämtliche Kalorienangaben für die einzelnen Lebensmittel finden konnte. Da es mir im täglichen Leben allerdings zu mühselig gewesen wäre, nun ständig Kalorien zu zählen, hat mein Mann mich entlastet. Er richtete mir ein Kochbuch am Computer ein. Dort konnte ich einmal alle meine Rezepte verwalten und zum anderen rechnete mir das Programm die Kalorien gleich bei der Eingabe aus. Da kam dann so mancher Schock,  welche Lebensmittel so richtige Kalorienbomben waren. Automatisch habe ich dann bei der Eingabe die Mengen soweit reduziert, daß wir noch satt wurden, aber so mancher "Nachschlag" beim Essen vermieden wurde. Ich koche also heute nur noch die Mengen, die wir auch verbrauchen und es heißt nicht mehr "den Rest müssen wir aber noch essen". 

Wenn ich heute ein Rezept in meinen Kochbüchern finde, was ich gerne nachkochen möchte und es steht keine Kalorienangabe dabei, so kann ich mir ganz sicher sein, daß die Kalorien dort ungefähr doppelt so hoch sind, als wenn ich meine "abgespeckte" Version koche. Außerdem ändere ich die Zutaten meistens gleich ab. Wenn dort z.B. fetter Speck verwendet wird, nehme ich nur eine Scheibe Bacon, der sehr dünn geschnitten wird, aber ebenfalls den Geschmack verstärkt. Oder statt geräuchertem Schinken nehme ich gekochten Schinken. Das verändert zwar den Geschmack ein wenig, hat aber wesentlich weniger Kalorien. Auch ergänze ich Sahne zum Teil durch Milch etc. Beim Essengehen im Restaurant ist es genauso wie mit den Kochbüchern. Es schmeckt wunderbar, aber die Köche dort brauchen meistens nicht auf Kalorien zu achten und am nächsten Tag habe ich mindestens 1 Kg mehr auf der Waage. Komisch eigentlich: zunehmen geht doch ganz leicht, warum quält man sich dann so mit dem abnehmen?

Dann greift wieder mein Kochbuch. Da mein Mann die Fotografie als Hobby hat, kam die nächste Idee für mein Kochbuch fast automatisch. Jedes Gericht wurde auf dem Teller fotografiert und in das Rezept eingebaut. Darum sind die Dekorationen sicher nicht so aufwendig, wie in den Kochbüchern. Wir haben ja kein Fotostudio, sondern wollen das Gericht möglichst noch warm essen...

Wir lassen uns also durch die Fotos angregen, um zu entscheiden, was wir essen wollen. Das geht bedeutend schneller, als wenn man nur über irgendwelche Namen oder Texte diskutiert. Wenn wir nun also unsere 1-2 Kg zugenommen haben, fällt der nächste Blick natürlich auf die Kalorienangabe. Ein paar Tage verzichten wir dann auf die Schlemmereien und 1 Kg hat man nun mal leichter und schneller abgenommen, als 5 Kg.

Fairerweise muß ich nun aber auch sagen, daß wir uns bei den anderen Mahlzeiten am Tag genauso kalorienbewußt verhalten. Früher haben wir mir Leichtigkeit am Wochenende zum Frühstück pro Person 2-3 Brötchen verdrückt. Es schmeckt ja so gut. Wir haben uns inzwischen wirklich daran gewöhnt, daß man eigentlich nach 1 Brötchen auch satt ist. Darauf essen wir allerdings alles, was uns gut schmeckt. Und das darf auch mal ein 50-80%iger Käse sein. Aber eben keine dicke, sondern nur noch halb so dicke Scheibe.

Abends habe ich früher den Aufschnitt und Brot auf den Tisch gestellt. Jeder hat zugelangt und meistens wollte man von jedem etwas probieren. So kamen wir locker auf 2-3 Scheiben Brot. Heute mache ich mir die kleine Mühe gerne und richte das Brot in der Küche her. So wird eine Scheibe Brot pro Person in vier Stücke geteilt und mit vier verschiedenen Sachen belegt. Dazu gibt es noch ein paar Coctailtomaten und Gurkenscheiben als Dekoration. Das reicht von der Menge her, um satt zu werden und außerdem hat es den Vorteil, nachts nicht auf dem Magen zu liegen. Häufig essen wir aber auch nur einen Joghurt mit Müsli, einen Salatteller oder eine Rohkostplatte.

Ganz wichtig dabei: Liebe geht durch den Magen! Ich koche gerne und meine Familie dankt es mit viel Lob. Daher macht es mir Spaß, auch einfache Speisen mit wenigen, nicht aufwendigen Handgriffen, zu dekorieren. Denn das Auge ißt mit. Wenn man nun noch für ganz viel Abwechslung sorgt, vermißt niemand etwas und es ist überhaupt nicht schlimm, weniger zu essen.

Ich glaube, Diäten kann man nicht über Wochen, Monate oder gar Jahre einhalten. Das ist ein psychologisches Problem (wäre es zumindestens für mich). Man müßte ständig nur daran denken, was man nicht mehr essen dürfte und provoziert damit seinen Heißhunger. Wir hingegen essen alles - nur nicht mehr so große Mengen - und eben fettreduziert. Außerdem kann man sich ruhig mal ein kalorienreiches Gericht wie Grünkohl oder Coq au vin leisten. Man ißt es ja nicht täglich und wenn man so etwas vorhat, kann man ja vielleicht zum Frühstück an dem Tag nur mal Cornflakes und abends einen Salat essen.

Also, schafft Euch eine gute Waage an, die nicht im Schrank, sondern auf der Arbeitsplatte steht (sonst wird sie nicht benutzt). Verwendet Eßlöffel, Teelöffel und Meßbecher zum richtigen dosieren und Ihr werdet sehen, daß man sich wirklich daran gewöhnt, ohne daß es wirklich mehr Arbeit macht.

Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß mit meinem Kochbuch, beim Kochen und vor allem beim genießen.

Eure Marion








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